Massiver Unterrichtsausfall an Schulen im Rhein-Erft-Kreis: „Unterrichtsgarantie der Landesregierung gescheitert – Bildungspolitik braucht einen Neustart“

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zeigt, das auch viele Schulen im Rhein-Erft-Kreis von starkem Unterichtsausfall betroffen sind. Trauriger Spitzenreiter im ersten Halbjahr 2019/2020 war dabei die Gesamtschule Pulheim. Dort fielen über 10% der Stunden ersatzlos aus. Im gesamten Schuljahr 2018/2019 war die Friedrich-Ebert Realschule in Hürth ebenfalls mit über 10% die am stärksten betroffen Schule im Kreis.

Bild: hochhausen

Viele Schulen im Rhein-Erft-Kreis leiden unter teilweise massivem Unterrichtsausfall. So zeigt es die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage. Das Schulministerium hat auf Anfrage der Sozialdemokraten eine Aufstellung zum Ausfall von Stunden herausgegeben, die auf einer flächendeckenden Erhebung basiert. Insgesamt sind in NRW im Schuljahr 2018/2019 etwa 3,3 Millionen Unterrichtsstunden ausgefallen. Für das Schuljahr 2019/2020 liegen die Daten aufgrund der Corona-Pandemie nur unvollständig vor.

Problemfall Grundschulen 

Landesweit lag der Durchschnitt an ersatzlos ausgefallenen Stunden in Grundschulen im Schuljahr 2018/2019 bei 2,9%. Deutlich darüber lagen unter anderem die KG Jahnstraße in Elsdorf (5,6%), KG St. Franziskus in Brühl (5,7%) und die GG Albert-Schweitzer-Schule in Kerpen mit 6,5% Unterrichtsausfall.

Daniel Dobbelstein, Vorsitzender der Rhein-Erft SPD und Landtagskandidat im Wahlkreis 6 weist noch auf einen weiteren Faktor hin: „An Grundschulen werden Klassen häufig aufgeteilt, wenn Lehrkräfte fehlen. Das verschleiert die gravierende Personalnot der Grundschulen. Fakt ist, dass der Mangel an Grundschullehrkräften sich in den letzten Jahren deutlich verschlimmert hat. Bis 2025 werden mindestens 26.000 Absolvent*innen für das Grundschullehramt fehlen. Die Landesregierung hat hier gar nichts angepackt.“

Deshalb macht sich die SPD in Nordrhein-Westfalen für die Einführung der Entgeltstufe A13 als gleiches Einstiegsgehalt für Lehrkräfte aller Schulformen stark. „Eine Grundschullehrerin verdient aktuell zum Berufseinstieg etwa 640 Euro weniger pro Monat als ihre Kollegin am Gymnasium. Das ist ungerecht und macht andere Schulformen im Vergleich zu Gymnasien unattraktiv“, sagt Dobbelstein. Die Regierung in Düsseldorf lehnt den Vorstoß für eine Anpassung der Gehälter bislang allerdings ab.

Gymnasien deutlich besser ausgestattet als alle anderen Schulformen 

Besonders auffällig sei in der Erhebung die ungleiche Belastung der Schulformen, sagt der Bedburger Landtagskandidat der SPD, Bernd Coumanns. Haupt-, Real- und Gesamtschulen hätten häufig einen weitaus höheren Ausfall an Schulstunden zu beklagen als die Gymnasien. Auch im Rhein-Erft-Kreis zeige sich diese Tendenz: „An vier von sechs Gesamtschulen fiel im Schuljahr 2018/2019 deutlich mehr Unterricht aus, als an irgendeinem der zwölf Gymnasien. Ein ähnliches Bild zeigt sich an den Realschulen. Die Unterschiede sind gravierend.“ (siehe dazu Tabelle 1)

Der Wesselinger SPD-Landtagskandidat Halil Odabasi weist auf einen weiteren Punkt hin, den die Kleine Anfrage aufgedeckt hat: „Über 40% des Unterrichts an Hauptschulen im Regierungsbezirk Köln wird fachfremd erteilt. Das ist ein Skandal. Auch an Gesamtschulen und Realschulen liegt dieser Anteil immer noch bei fast 20%. Im Vergleich dazu betrifft dies nur 6% des gymnasialen Unterrichts. Hier zeigt sich eine systematische Benachteiligung der nicht-gymnasialen Schulformen. Diese Quoten haben sich seit Jahren nicht verbessert. Die Landesregierung hat hier gar nichts bewegt.“

Coumanns, Dobbelstein und Odabasi fassen die Ergebnisse zusammen:

„Die Zahlen zeigen: Die Schwarz-Gelbe Landesregierung ist mit dem Versprechen einer Unterrichtsgarantie kläglich gescheitert. Es reicht eben nicht, den Unterrichtsausfall mit einem aufwendigen Verfahren, für das sogar zusätzliches Personal in den Schulen gebunden wird, nur zu messen. Man muss auch was dagegen tun.“

Wir werben für einen echten Neustart in der Bildungspolitik von Nordrhein-Westfalen“, so die Sozialdemokraten. „Wir müssen das System neu aufstellen. Davon profitieren die Schülerinnen und Schüler auch hier vor Ort.“ Dazu gehöre neben einer massiven Personaloffensive auch eine Überprüfung der Bildungsinhalte durch eine Expertenkommission sowie ein New Deal für eine zukunftssichere Finanzierung des Bildungssystems. „Wir brauchen neue Verabredungen darüber, welchen Beitrag die verschiedenen Ebenen – und auch der Bund – dauerhaft für die Bildung in unserem Land leisten sollen. Es geht darum, alle Kraft darauf zu konzentrieren, dass jedes Kind einen Schulabschluss erhält, mit dem es anschließend eine qualifizierte Berufsausbildung machen kann.“

4 Antworten zu “Massiver Unterrichtsausfall an Schulen im Rhein-Erft-Kreis: „Unterrichtsgarantie der Landesregierung gescheitert – Bildungspolitik braucht einen Neustart“”

  1. Hans - Dieter Kyrion sagt:

    Liebe Genossen,
    Denken wir daran, daß die SPD vor nicht allzu langer Zeit für die Bildungpolitik zuständig waren. Wir müssen also auch unsere Fehler revidieren. Das müssen wir den Bürgern auch mitteilen um unsere Glaubwürdigkeit zu erhalten. Auch im öffentlichen Dienst gibt es da nachhol Bedarf. Es kann doch nicht sein, das in den Kommunen für die gleiche Funktion unterschiedliche Gehälter gezahlt werden nur weil die Eingruppierung jeder Kommune selbst obliegt. Da sind auch die SPD geführten Kommunen von betroffen. Das sollten wir ändern.

  2. davidhochhausen sagt:

    Hallo,
    das Bildungsministerium wurde unter Hannelore Kraft von den Grünen geführt, aber natürlich trifft uns da eine gewaltige Mitverantwortung. Seit 2017 hat die SPD-Landtagsfraktion ihre Bildungspolitik intensiv hinterfragt und neu aufgestellt. (Themenseite mit weiteren Infos: https://www.spd-fraktion-nrw.de/leitantrag-zusammen-aufwachsen-in-nrw/)
    Mit einer gewaltigen Negativkampagne hat die damalige Opposition den Bogen völlig überspannt. An dieser Kampagne und ihren Versprechen muss sie sich messen lassen. Die SPD-Landtagsfraktion hat (u.a. mit ihrem großen Leitantrag zu Thema) klar aufgezeigt, wie die bestehenden Probleme behoben werden können. Nichts davon wurde von der CDU-geführten Landesregierung umgesetzt. Die Besoldungsfrage (A13 für alle) ist übrigens eine reine Landessache. (DH)

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