Antrag zum Kreisausschuss am 22.04.2021: Projekt „Bildung trotz Corona“

Sehr geehrter Herr Landrat,

die SPD-Fraktion schlägt vor, dass der Rhein-Erft-Kreis und alle seine Kommunen das Projekt „Bildung trotz Corona“ mindestens für die Jahre 2021, ´22 und ´23 ins Leben ruft.
Die Schüler*innen an allen Schulformen im Kreisgebiet haben durch die Unterrichtsausfälle immensen Aufholbedarf. Speziell Schüler*innen, die keine ausreichende Unterstützung oder Möglichkeit zum HomeSchooling hatten, haben mitunter gänzlich den Anschluss verloren.

Es gibt Studien, die klar zeigen, dass speziell Schüler*innen, die ohnehin schon vor besonderen Herausforderungen in unserem Bildungssystem stehen, besonders betroffen sind.

Daher beantragt die SPD-Fraktion zur o.g. Sitzung zum Tagesordnungspunkt Haushalt folgenden Beschlussvorschlag zur Abstimmung zu stellen.

Die Fragen bitten wir vorab schriftlich zu beantworten:

  1. Der Rhein-Erft-Kreis fordert alle Städte des Kreises dazu auf, sich ebenfalls am Projekt „Bildung trotz Corona“ zu beteiligen.
  2. Der Rhein-Erft-Kreis tritt an das Landesschulministerium heran, um dieses Projekt fördern zu lassen. Außerdem ist anzuregen, dies für Gesamt-NRW anzubieten. Da Schulen im allgemeinen Ländersache sind, hoffen und erwarten wir hier vollumfängliche Unterstützung.
  3. Der Rhein-Erft-Kreis organisiert selbst oder durch eine Ausschreibung an Externe, Bildungsangebote für alle Schulformen in allen Kommunen in allen Ferien der nächsten zwei Jahre.
  4. Alle Jugendämter werden hier eingebunden, um speziell für die belastetsten Kinder durch Aufnahme dieser Angebote (die über die Schulpflicht hinaus gehen) in Hilfepläne eine Verbindlichkeit zu erzeugen.
  5. Eine Co-Finanzierung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket im Sinne einer Nachhilfe ist zu prüfen.
  6. In welchem Umfang können die Kreisschulgebäude zur Verfügung gestellt werden?
  7. Eine entsprechende Umplanung der Angebote der REVG muss ebenfalls erfolgen.
  8. Die hierfür notwendigen Mittel werden bis zum Kreistag am 06.05.2021 abgeschätzt und in den Haushalt eingestellt.

Begründung:

Wie eingangs dargestellt, leiden alle Schüler*innen unter den immensen Ausfallzeiten. Leider wurde nicht frühzeitig für einen qualitativ gleichwertigen Onlineersatz gesorgt. Das „Abwälzen“ von Bildungsangeboten auf die Schultern von Eltern war anfangs der Pandemie für einen kurzen Zeitraum sicher akzeptabel. Inzwischen geht die Schere zwischen Kindern aus tendenziell eher einkommensschwachen Familien im Vergleich zu Kindern aus Akademikerhaushalten deutlich weiter auseinander.

Wir müssen eine Möglichkeit bieten dies zu kompensieren. Wir hoffen, dass im Rahmen der Ausweitung der Ferienprogramme eine Refinanzierung möglich sein wird.

Der Rhein-Erft-Kreis sollte hier, obwohl natürlich selbst nur für die berufsbildenden Schulen zuständig, als Initiator und Koordinator das gesamte Angebot in Rücksprache mit den Schulämtern der Städte ermöglichen. Zudem ist es aus unserer Sicht richtig und wichtig, dass sich alle Städte die Kosten zu gleichen Teilen teilen. Dies adressiert den Schul-„Tourismus“ über Stadtgrenzen hinweg und zeigt, dass in einer weltweiten Krise die Städte des Rhein-Erft-Kreises solidarisch zueinander stehen.

Zudem muss klar sein, dass die nun bestehenden Lücken nicht nur in den Sommerferien 2021 aufzuholen sind, sondern das Programm mindestens zwei Jahre Bestand haben sollte.

Eine wissenschaftliche Begleitung wäre zudem wünschenswert, um die Notwendigkeit auch nach abebben der Corona-Nachwirkungen beurteilen zu können.

Quelle: https://doi.org/10.4119/pflb-3908

Mit freundlichen Grüßen

Dierk Timm, Fraktionsvorsitzender